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14. September 2011 / 19:30
Philosoph/innen in der Stadt:
Wer denkt in mir?

> Tanztendenz

Vom 11. bis zum 15. September 2011 findet der XXII. Deutsche Kongress für Philosophie zum Thema "Welt der Gründe" an der Ludwig-Maximilians-Universität München statt. Organisiert wird der Kongress vom Präsidenten der Deutschen Gesellschaft für Philosophie (DGPhil), Prof. Dr. Julian Nida-Rümelin, Staatsminister a.D.. Es gibt diesmal eine Neuerung, die sich ganz gezielt an die Münchner Bürgerschaft und an die allgemeine Öffentlichkeit richtet.
Die Philosophie ist – wie kaum eine andere wissenschaftliche Disziplin – nicht nur von innerakademischem, sondern von allgemeinem Interesse. Daher soll die Tatsache, dass sich soviel an philosophischer Fachkompetenz während der Tage des Kongresses in München versammelt, auch dafür genutzt werden, die Philosophie in der Stadt für alle Interessierte zugänglich zu machen.

Die Tanztendenz hat im Rahmen dieses Angebots zwei Philosophen mit ihrem Vortragsprogramm in ihre Räume eingeladen.

Prof. Dr. Gottfried Vosgerau:
Wer denkt in mir?


Es scheint offensichtlich zu sein: Wann immer ich einen Gedanken habe, kann ich mir sicher sein, dass es auch mein Gedanke ist. Tatsächlich gibt es allerdings ein Symptom der Schizophrenie, die sogenannte „Gedankeneingebung“, das sich darin äußert, dass die betroffenen Patienten den Eindruck haben, dass manche ihrer Gedanken von anderen Menschen oder Mächten in ihren Geist eingegeben werden. Die systematische Frage, die ich in dem Vortrag erörtern möchte, ist, was es bedeuten kann, dass ein Gedanke der eigene ist.
Ich werde zwei Lesarten unterscheiden:
1) dass der Gedanke in meinem Geist auftaucht;
2) dass der Gedanke von mir produziert wurde.
Ich werde argumentieren, dass unsere Gedanken unbezweifelbar unsere eigenen sind im Sinne der ersten Lesart. Die Autorenschaft von Gedanken (zweite Lesart) stellt sich allerdings heraus als komplexe Zuordnung, die nicht nur auf einfachen Eigenschaften der Gedanken oder des Denkens beruht, sondern die vor dem Hintergrund eines ganzen Überzeugungssystems getroffen werden.

Das Gesamtprogramm von Philosoph/innen in der Stadt: pdf zum download



Spielort
Tanztendenz München
Lindwurmstr. 88 / 5. Stock
089 / 721 10 15
Der Eintritt ist frei.
info@tanztendenz.de
www.tanztendenz.de


    

Tanztendenz München e.V. wird gefördert
durch das Kulturreferat der LH München
  Gottfried Vosgerau ist seit Nov. 2009 W1-Professor im Fach Philosophie der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf. Zuvor war er seit 2007 am Lehrstuhl für Philosophie des Geistes von Prof. Dr. A. Newen, Institut für Philosophie der Ruhr-Universität Bochum. Er studierte Philosophie, Allg. Sprachwissenschaft und Kognitionswissenschaft an den Universitäten Freiburg und Bonn.
Er promovierte über mentale Repräsentationen und Selbstbewusstsein beim Menschen als Mitarbeiter in der Nachwuchsgruppe „Selbstbewusstsein und Begriffsbildung beim Menschen“ (Prof. Dr. A. Newen, gefördert von der VolkswagenStiftung) zunächst in Tübingen und dann in Bochum. Seine Dissertation wurde ausgezeichnet mit den Dissertationspreisen der Fakultät für Philosophie und Erziehungswissenschaft an der Ruhr-Universität Bochum und des Kulturwissenschaftlichen Instituts Essen sowie dem 2. Dissertationspreis des Deutschen Studienpreis 2008 der Körber-Stiftung. 2010 gewann er zusammen mit dem Psychiater Dr. M. Voss den DGPPN-Philosophiepreis in der Psychiatrie. 2009 wurde er in das Junge Kolleg der Nordrhein-Westfälischen Akademie der Wissenschaften und der Künste berufen.

Aktuell leitet er zwei Forschungsprojekte, die beide im Rahmen der European Platform for Life Sciences, Mind Sciences, and Humanities von der VolkswagenStiftung gefördert werden. Das Projekt „ThinkAct“ untersucht den Zusammenhang zwischen Bewegungssteuerung, Wahrnehmung und Denken. Zusammen mit Neurologen und Psychologen wird auf begrifflicher wie empirischer Ebene geklärt, ob sensomotorische Fähigkeiten konstitutiv sind für Denken. Im Projekt „Who is thinking?“ werden zusammen mit Psychiatern und Psychologen die Mechanismen beschrieben und erklärt, die eine Zuordnung der Autorenschaft von Gedanken sowie die Kontrolle über Gedanken erlauben. Hierbei stehen die pathologischen Phänomene der Gedankeneingebung und der intrusiven Gedanken im Mittelpunkt.

Darüberhinaus leitet er zwei Projekte im SFB 991 "The Structure of Representations". Das Projekt "Grounded Cognition" beschäftigt sich mit der Struktur von Begriffen, die motorische "Anteile" enthalten, und untersucht die Implikationen der daraus entstehenden Begriffstheorie für die Philosophie des Geistes. Das Projekt "Frames in Psychiatric Classification", das er zusammen mit dem Psychiater PD DR. J. Zielasek leitet, hat eine empirisch fundierte begriffliche Analyse von psychiatrischen Klassifikationen zum Ziel, die auf einer philosophischen Theorie zur Architektur des Geistes aufbaut.