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24. − 26. September 2010 / 20:30
Selfish Shellfish / Katja Wachter und
Helmut Ott / Robert Kis

Zwischenmensch / Nebenichlich und Müllzappen (Premiere)

> schwere reiter

Selfish Shellfish / Katja Wachter:
Zwischenmensch / Nebenichlich

Zwei Duette als Versuchsanordnungen zu menschlichen Schnittmengen und den Verschiebungen zwischen Singular und Plural.

Zwischenmensch
1+1 = 2
Zwei Menschen auf einer Bühne, zwei völlig separate Soli, zwei unabhängige emotionale und ideelle Räume, die wie zufällig nebeneinander ablaufen. Plötzlich entstehen Überlappungen aus getrennten Bewegungsmustern, gegenseitige Assimilation setzt ein, eine Mischung zweier unabhängiger Biographien zu einem Bewegungskanon. Durch Wiederholung entsteht ein wechselseitiger Identitätstransfer, der eine neue, dritte Geschichte zwischen den beiden Darstellerinnen entstehen lässt. Eine Verschiebung zum Zwischenmensch in drei Phasen.

Choreografie: Katja Wachter
Tanz: Katrin Schafitel, Katja Wachter

Split frame
2 = 1+1
Zeitliche Manipulation einer Duett-Situation. Wie durch einen unsichtbaren Cutter eines Films werden aufeinander bezogene Aktionen voneinander entkoppelt, zeitlich versetzt, Ton- und Bildspur getrennt bearbeitet. So ergeben sich verschiedene, der Filmtechnik nachempfundene Verfahrensweisen, wie Split Screen, Parallelmontage, Rückblende, Zeitsprung, etc. Jeder der Darsteller ist gefangen in seinem individuellen Zeitrahmen, der mit dem anderen nicht mehr kompatibel ist. Zwei Personen im Kampf um den gemeinsamen Moment, der sich nicht mehr finden lässt. Ein Experiment auch mit der Wahrnehmung der Zuschauenden: Wie und wann wird der geteilte Rahmen von uns zusammengesetzt? Erkennen wir noch kausale Zusammenhänge?

Choreografie: Katja Wachter
Tanz: Johannes Härtl, Michael Schmieder



Helmut Ott / Robert Kis
Müllzappen

In Müllzappen gehen Robert Kis und Helmut Ott gemeinsam dem Unrat auf die Spur.

Einführen - Verdauen - Ausscheiden,
Anschaffen - Gebrauchen - Verbrauchen - Entsorgen.

Nutzlos Geglaubtes wird entsorgt, abgeschoben, aus dem Blickfeld gerückt und unsichtbar gemacht. Und ist doch noch vorhanden. Was genau bezeichnen wir als Müll und was gehört unserer Meinung nach dorthin? Wo landet dieser und warum ekeln wir uns davor?
Das angeblich Verbrauchte ist oft nicht so unbrauchbar, wie man annimmt. Der Datenmüll findet vielleicht seinen neuen Zweck darin, dass andere dadurch Einblick in unser Verhalten gewinnen. Im Abfall der Vergangenheit kann man die Lebensumstände und Gewohnheiten der damaligen Bevölkerung ablesen. Aus Alt macht Neu.
Dabei erschrecken die Berichte über gewisse Recyclingverfahren: Der angeblich noch brauchbare Abfall wird als Second Hand Ware in Entwicklungsländer verfrachtet, wo die Ärmsten der Armen die oft hochgiftigen, bei uns teuer zu entsorgenden Gegenstände ausschlachten, ohne sich über die Gefahren bewusst zu sein.
Im Müll und ihrem Umgang damit wird die Gesellschaft, die ihn produziert, sichtbar, v.a. was ihre Menschlichkeit und ihr Umweltverhalten angeht. Auch hier gilt: Was nicht direkt vor der eigenen Haustüre passiert, geht uns nichts an.
Robert Kis und Helmut Ott haben während der Beschäftigung mit dem Thema begonnen, eine Art Tagebuch zu führen. Dabei wurden Abfall und die dazugehörenden Prozesse schriftlich festgehalten und fotografisch dokumentiert. Das Medium Video dient als abstrakter Bildgeber für das, was nicht in Worte gefasst und dokumentarisch festgehalten werden will. Bewegtes und unbewegtes Bild wird als Projektion wie in einem Türchen-Kalender gezeigt. Der Rezipient darf sein eigenes Mülltagebuch dazu frei erfinden. Die Bühne funktioniert als Labor. Die phantasievollen Objektkostüme von Robert Kis formen zusammen mit den Requisiten und den performativen Aktionen der beiden Darsteller nie gesehene Bilder – und das improvisiert jeden Abend neu.
Die Augen des Zuschauers dürfen zwischen Bildtafeln und Bühnengeschehen hin und her zappen. Er kann das Geschaute benutzen, verbrauchen und wenn er will, entsorgen oder recycelt zu etwas Neuem werden lassen.
Mit unserem Müll hinterlassen wir zwangsläufig eine Spur - der Abfall ist nicht weg, wenn wir ihn in der Haustonne entsorgt haben. Es lohnt sich, dem nachzugehen.

Choreografie / Video / Sound: Helmut Ott
Kostüm / Bühne: Robert Kis
Mit: Robert Kis, Helmut Ott, Vivien Holm (Video), Katrin Schafitel (Video).



Licht: Schlagenhaufer
Pressearbeit: Beate Zeller



Spielort
schwere reiter
Dachauer Straße 114
München
www.schwerereiter.de


Kartenreservierung
Karten: 15,- / 10,- erm.
Reservierung: 089 / 32 49 42 70
reservierung@schwerereiter.de


            

Tanztendenz München e.V. wird gefördert
durch das Kulturreferat der LH München